Geschichte vom Sternejagen

Geschichte vom Sternejagen

Es ist früher Januar. Der Alltag fährt sich ganz langsam wieder ein, mein Herz hinkt noch etwas müde hinterher im Festtagstrott. Draußen ist es nass und kalt, ein perfekter Tag, um es mir noch einmal ausgiebig mit einer Tasse Kaffee und den letzten, heimlich zurückgelegten Pfefferkuchen auf dem Sofa gemütlich zu machen.

Meine Kinder allerdings trauen dem Braten nicht, wittern Gelegenheit und fangen an, um mich rum auf dem Sofa rumzuwuseln und an mir zu zuppeln. „Mamaaaaaaaa, mir ist langweilig! Was soll ich jetzt machen?“ nach ein paar gut gemeinten Ratschlägen, für die ich vor allem Frust ernte (Geräusch) raffe ich mich auf. Hilft ja nichts. „Mamaaaa, was machen wir jetzt?“ „Wir gehen raus.“ „ich will aber nicht raus, da ist langweilig!“ „ nicht mit mir, wir gehen jetzt Schätze jagen.“ „Oh neee, das iis doch wieder so ein doofer Trick von dir?! Hier gibt’s keine Schätze!“ „Aber wenn ich’s doch sag?“ erwidere ich und befürchte Schlimmstes – diese Improvisation wird voll nach hinten losgehen.

Als wir es endlich vor die Tür geschafft haben (Pipi, Hunger Durst anziehen Tür auf – Pipi, ausziehen, wieder anziehn, endlich die. Treppe runter und raus) bewegen wir uns langsam durch unsere Straße. „Ihr müsst schon genau hinsehen, wenn ihr was goldenes finden wollt“ sage ich zu meinen Kindern, die sich nach 10 Metern endgültig ausgetrickst fühlen. „Und hier soll ein Schatz sein? Das hast du nur erfunden, Mama!“ Mein Sohn will nach einem Stein treten, sein Fuß holt aus. Plötzlich hält er inne und bückt sich. Er hat etwas entdeckt und kramt auf dem Boden rum, mit den Handschuhen kriegt er es nicht zu fassen. Er zieht sie aus und pult etwas kleines, dreckiges aus einer Pflastersteinfuge. Er legt es auf die Innenfläche seiner Hand und hält es seinem Bruder und mir unter die Nase. „Guckt mal, ein Stern!“ Es ist ein kleiner, goldener Glitzer-Stern. Ein Rest vom Weihnachtsfest. Zugegeben, von goldenem Glanz kann keine Rede sein. Sein Leuchten liegt verborgen unter dem, was Wetter und eilige Straßenschuhe auf ihm hinterlassen haben. Nach einem laut hörbaren „Mennoo, das ist aber unfair, ich will auch so einen!“ setzen wir unsere Suche fort –– mit langsamen Schritten und Blick gen Boden gerichtet gehen wir weiter Sterne fangen. Immer wieder halten wir an, blinzeln und bücken uns. Und wo wir hinsehen goldenen Schätze: meist bloß staubkorngoß, leicht zu übersehen. Schon etwas verschlissen manchmal: versteckt in Bürgersteigritzen und Gehwegfugen. All die kleinen, funkelnden Schnipsel, die von Weihnachten erzählen: Vom großen Glanz. Von Gottes Segen, der diese Welt und unsere Herzen ummantelt, und alles ist darin gehalten. Der zu uns auf die Erde kommt und auf der Hand liegt, wie ein goldenes Versprechen.

Seitdem verabreden wir drei uns jedes Jahr zum Sterne fangen. Lassen uns durch unseren Kiez treiben und halten Ausschau nach verborgenem Glanz und leisem Leuchten. Und seitdem ist mir jeder kleine, goldene  Glitzerstern ein Zeichen: Er ist da, Gott mit seinem Segen. Wie nasskalt und grau es gerade um mich herum und in mir drin auch sein mag. Klein, leicht zu übersehen manchmal und oft gehe ich darüber hinweg. 

Aber es ist dieser kleine Glanz, der ach so wertvoll ist.  Weil er vom großen erzählt. Vom Weihnachtsglück und davon, dass Gott da ist. 

Also will ich morgen wieder Segen finden gehen..

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