Geschichte über spezielle Vorfahren

Geschichte über spezielle Vorfahren

Auf der Suche nach einer Geschichte für heute Abend habe ich mich lange gefragt, wo ich für jemanden einen Weg bereitet habe. Und dann – plötzlich, fand ich das eh anmassend und die Idee spannender, welche Menschen mir vorausgegangen sind. Und da erinnerte ich mich an die vielen Geschichten in älteren Kulturen von der engen Verbundenheit mit den Ahnen. Diese Geschichten erzählen davon, wie wir über mehrere Generationen von dem geprägt sind, was unsere Vorderen gelebt und erlebt haben. Nun denn. Ich erzähle über die zwei, die mir als erstes in den Sinn kamen. 

Mein Patenonkel war eine wichtige Figur für mich. Erfolgreich als Wissenschaftler ist er doch immer sehr bescheiden geblieben, seine Leidenschaft waren die Natur und die Berge. Ich erinnere mich an viele Wochenenden in seinem wilden Garten im Tessin und an herrliche Berggänge. Er lehrte mich die Natur genau zu beobachten. Und er hörte immer gern zu. Er hatte eine Neugierde für die Geschichten der Menschen, denen er begegnete. Er wurde 87 Jahre alt. In seinen letzten Jahren hat mich noch etwas beeindruckt. Diese Jahre waren überschattet von verschiedensten Krankheiten. Doch er weigerte sich über diese zu reden. Das war zwar für seine Umgebung nicht nur leicht, für mich aber sehr inspirierend. Er erzählte gern von seinen Touren und lauschte gebannt den Geschichten der jüngeren zu, ihre Welt wollte er verstehen. So möchte ich es auch machen, wenn ich selber alt und krank sein sollte. Dass nicht die Krankheit alles überschattet, sondern die Neugierde und die Freude an den tollen Erinnerungen immer einen wichtigen Platz behalten. 

Aber da gab es noch die andere Krankheit in meiner Familie. Mein Cousin starb an Aids, ich war noch ein Kind. Er war der Patensohn meines Vaters. Immer wenn er zu Besuch war bei uns, sagte danach meine Mutter. Er ist so ein lieber Kerl, nur schade ist er schwul. Noch schwieriger war es in seiner Familie. Sie lehnten ihn total ab und die tabuisierte Krankheit machte ihn einsam. Auch diese leidvollen Geschichten sind uns vorausgegangen. Und sie zeigen uns, dass die Leute, die uns vorausgehen auch den Weg öffnen, es besser zu machen und Altes zu heilen. Damals als Kind ahnte ich nur, dass die Geschichte meines Cousins was mit mir zu tun hat. Heute bin ich in meiner Familie voll akzeptiert. Meine Familie hat es besser gemacht. Und das macht mich so dankbar für all die Menschen, die gekämpft haben für diese Toleranz und die dabei oft ein nicht einfaches Leben hatten.

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