Geschichte vom „stark wie zwei“

Geschichte vom „stark wie zwei“

„Warum hast Du nicht endlich Dein Fahrradlicht repariert? Dich wird noch jemand umfahren!“ Ich trete voll in die Pedalen, lache und mein Vater rennt hinter mir her. „Das nächste Mal, Papa, versprochen, das nächste Mal!“ Es war schon ein Ritual. Vor 20 Jahren ist mein Vater gestorben. Viel zu früh. Ich trauere immer noch um ihn. Ob das wohl irgendwann mal aufhören wird? Oder bleibt es für immer?

Es passiert mir manchmal, dass ich bei einer Beerdigung während eines Liedes weine, weil ich an ihn denke. Ich bin dann nicht besonders traurig. Es durchströmt mich eher warm und ich fühle mich ihm nah. Ist das eigentlich noch professionell als Pfarrer? Ist das überhaupt normal, dass man so lange trauert? Dass es so lange bleibt?

„(…) und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen (…)“ (Off 21,4) – so steht’s in der Bibel. Meine Tränen fließen – auch noch nach 20 Jahren. Ich weine, weil mir mein Vater immer noch so fehlt und weil ich gleichzeitig merke, wie viel von ihm in mir drin ist. Es ist ein gutes Gefühl. Sein Tod hat nicht alle Seile zwischen uns zerschnitten. Ich bin davon überzeugt: Wir werden uns wiederfinden – ganz am Schluss. Und dann, erst dann wird Gott meine Tränen abwischen. Aber jetzt noch nicht.

Ich hatte als Kind mit meinem Vater eine Phase, in der wir versucht haben, alles zum Wachsen zu bringen: Pflaumen-, Kirsch-, Pfirsich- und sogar Avocadokerne gruben wir ein. Unser Fensterbrett im Flur war voller kleiner Töpfe. Und jeden Morgen rannten wir beide dort hin, um zu sehen, was sich verändert hatte. Und wie haben wir uns gefreut, wenn ein Erdkrumen empor gedrückt wurde und ein kleiner grüner Kopf zum Vorschein kam. Wenn ich solche Geschichten von meinem Vater erzähle, dann fange ich meistens an zu weinen.

Ich glaube, es gibt keinen festen Trauerplan. Die eine trauert ein paar Wochen, der andere über ein Jahr und wiederum bei einer anderen hört es niemals auf. Es gibt kein richtig und kein falsch. „Warte ab, Alexander, auch deine Trauer hört bestimmt irgendwann auf.“ Diesen Trost gibt es nicht. Und ich will ihn auch gar nicht. Es ist keine Trauer, die mich runter zieht. Sie stärkt mich. Sie wird bleiben. „Stark wie zwei“ singt Udo Lindenberg. Genau, ich fühle mich so stark wie zwei.

Es passiert mir manchmal, dass ich bei einer Beerdigung während eines Liedes weine, weil ich an ihn denke. Ich bin dann nicht besonders traurig. Es durchströmt mich eher warm und ich fühle mich ihm nah. Ist das eigentlich noch professionell als Pfarrer? Ist das überhaupt normal, dass man so lange trauert? Dass es so lange bleibt?

„(…) und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen (…)“ (Off 21,4) – so steht’s in der Bibel. Meine Tränen fließen – auch noch nach 20 Jahren. Ich weine, weil mir mein Vater immer noch so fehlt und weil ich gleichzeitig merke, wie viel von ihm in mir drin ist. Es ist ein gutes Gefühl. Sein Tod hat nicht alle Seile zwischen uns zerschnitten. Ich bin davon überzeugt: Wir werden uns wiederfinden – ganz am Schluss. Und dann, erst dann wird Gott meine Tränen abwischen. Aber jetzt noch nicht.

Ich hatte als Kind mit meinem Vater eine Phase, in der wir versucht haben, alles zum Wachsen zu bringen: Pflaumen-, Kirsch-, Pfirsich- und sogar Avocadokerne gruben wir ein. Unser Fensterbrett im Flur war voller kleiner Töpfe. Und jeden Morgen rannten wir beide dort hin, um zu sehen, was sich verändert hatte. Und wie haben wir uns gefreut, wenn ein Erdkrumen empor gedrückt wurde und ein kleiner grüner Kopf zum Vorschein kam. Wenn ich solche Geschichten von meinem Vater erzähle, dann fange ich meistens an zu weinen.

Ich glaube, es gibt keinen festen Trauerplan. Die eine trauert ein paar Wochen, der andere über ein Jahr und wiederum bei einer anderen hört es niemals auf. Es gibt kein richtig und kein falsch. „Warte ab, Alexander, auch deine Trauer hört bestimmt irgendwann auf.“ Diesen Trost gibt es nicht. Und ich will ihn auch gar nicht. Es ist keine Trauer, die mich runter zieht. Sie stärkt mich. Sie wird bleiben. „Stark wie zwei“ singt Udo Lindenberg. Genau, ich fühle mich so stark wie zwei.

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